Im Libanon setzt sich der wirtschaftliche Abwärtstrend fort. Die Landeswährung, das libanesische Pfund, verliert ständig an Wert. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind enorm gestiegen. Allein durch staatliche Subvention kann sich der “einfach Mann” noch sein tägliches Brot leisten.

Und nun gehen im Libanon auch die Lichter aus. Seit Jahren beziehen die Bewohner im Libanon ihren Strom vom Staat und privaten Anbieten. Häufig sind es Dieselgeneratoren, die beim Ausfall der staatlichen Stromversorgung einspringen. Hinter vorgehaltener Hand sprechen die Libanesen auch von der “Generatoren Mafia”. Da auch auf diesem Markt ein Preiskampf tobt. Zuletzt haben zwei türkische Ponton-Kraftwerke (schwimmende Kraftwerke) ihre Lieferungen an den Libanon eingestellt, weil sie keine Vergütung mehr bekommen.

Vor ein paar Tagen schicke uns Pfarrer Hagob Akabasharin folgenden Nachricht: “Die staatliche Stromversorgung liefert momentan maximal 2-3 Stunden pro Tag Strom. Viele Menschen hängen nun von den privaten Stromanbietern ab. Aber nicht mal diese privaten Anbieter können Strom garantieren, weil es einfach einen Mangel an Benzin gibt. Der Gipfel des Ganzen ist aber, dass der Staat, um das überteuert Benzin zu bezahlen die Ersparnisse der Menschen aus der Zentralbank nimmt. Die Libanesen bezahlen sozusagen doppelt. “

Der Libanon braucht ein Wunder. Bitte beten Sie mit uns, dass Lösungen für die schwerwiegenden Probleme im Libanon finden.

Ende Mai fanden in der armenisch-evangelischen Nor Marash Gemeinde zu Beirut zwei Tage Kinderprogramm statt. Leider konnte die Kinder-Ferienbibelschule im letzten Jahr nicht wie geplant an “einem Stück” stattfinden. Der Grund dafür war die Corona-Pandemie. Deshalb beschloss Pfarrer Raffi Messerlian die Kinder in Gruppen einzuteilen und das Kinder-Ferienbibelprogramm nur tageweise abzuhalten. Das Programm war dieses Mal für Kindergartenkinder und Grundschulkinder ausgerichtet. An den zwei Tagen haben insgesamt 120 Kinder teilgenommen.

Pfarrersfrau Kayane Messerlian sprach mit den Kindern über das Thema “Gehorsam mit Gott unterwegs sein”. Nachdem mit den Kindern Loblieder gesungen wurden, gab es Zeit zum Spielen und zu Mittag gab es Pizza.

Über die beiden Tage schrieb uns Pfarrer Messerlian:

“Es war spannend den Kindern beim Spielen zuzuschauen. Wir hatten das Gefühl, dass sie es seit langem vermissten ausgelassen miteinander zu spielen. Sie sprachen voller Freude miteinander und rannten über den ganzen Innenhof der Gemeinde. Wir sind dankbar, dass die beiden Tage so gut geklappt haben. Wir sind bereits in der Vorbereitung für das Kinder-Ferienbibelprogramm in diesem Sommer. Wir beten, dass es dieses Jahr möglich sein wird alles wie geplant und sicher durchführen zu können.”

In der Galerie sehen Sie Bilder der beiden Tage.


Vor ein paar Wochen wurden wir als Büro-Team überrascht. “In Anjar soll ein Hilfsbund Garten entstehen???”, fragten wir uns verwundert, als wir die Nachricht von Pfarrer und Schulleiter Hagob Akbasharian aus Anjar (einer armenischen Ortschaft im Libanon) bekamen. Damit hatten wir nicht gerechnet. Aber es stimmt: Zu unserem Jubiläum soll ein Garten auf dem armenisch-evangelischen Kirchengelände, nahe der Schule, entstehen. 125 Olivenbäume sollen dort an unser diesjähriges Jubiläum erinnern. Die Vorbereitungen laufen bereits. In der Galerie sehen Sie ein paar Bilder von Olivenbaumsetzlingen. Auf die offizielle Eröffnung sind wir jetzt schon gespannt.

Pfarrer Hagob Akbasharian schrieb uns zur Gartenaktion folgendes:

“Seit die Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel zur Arche Noah zurückkehrte sind Olivenbäume ein Symbol von Frieden, Versöhnung und Freundschaft. Olivenbäume sind auch bekannt für ihre Langlebigkeit und Wetterbeständigkeit. All diese Eigenschaften treffen auch auf den Hilfsbund zu. Aus diesem Grund hat die armenisch-evangelische Kirche gemeinsam mit der Schule und dem Internat in Anjar 125 Olivenbäume gepflanzt, die einen “Bund der Hilfe” darstellen sollen. Wir freuen uns sehr, dass wir unserem Partner, dem Christlichen Hilfsbund im Orient, solch einen Garten widmen dürfen.”


Am vergangenen Wochenende konnten die Internatskinder wieder zurück nach Anjar ins Internat. Nach dem Weihnachtsferien hätten die Kinder zurück in Anjar sein sollen. Das wäre am 8.Januar gewesen. Doch verhängte die libanesische Regierung einen kompletten “Lockdown”. Geplant war es die Kinder Anfang März wieder ins Internat zu holen. Doch die Rückkehr verzögerte sich wegen erneuten Protesten und Straßensperren im Libanon. Erst jetzt war es möglich die Kinder wieder ins Internat zu holen.

Die Internatsleiterin Nanor Kelenjian Akbasharian schrieb uns über den Tag der Rückkehr Folgendes:

“Der Tag, an dem wir die Kids aus Beirut zurückholten, war ein stressiger Tag. Demonstranten blockierten die Straßen; teilweise mit brennenden Reifen. Die Menschen sind wütend auf unsere korrupten Politiker und verzweifelt über die schwere wirtschaftliche Krise in der der Libanon steckt. Das libanesische Pfund, unsere Währung, hat diese Woche ein Rekordtief erreicht … Leider ist die Lage sehr ernst.

Die Kinder holten wir im Innenhof der armenisch-evangelischen Schule in Bourj Hamoud (in Beirut) ab. Dort wurden sie mit  PCR Test auf Corona getestet. Alles lief nach Corona-Hygiene Vorschriften ab. Außerdem gab es für die Kinder noch eine Routineuntersuchung im Howard Karagheusian Zentrum; ganz in der Nähe der Schule.  Auch eine besondere Begegnung gab es an diesem Tag im Karagheusian Zentrum: Die Ministerin für Jugend, Vartine Ohanian, war dort zu gegen. Wir erzählten ihr von der Internatsarbeit und welch ein Segen das Internat für die Kinder ist. Am Ende des Tages bekamen wir die PCR Testergebnisse (alle Kinder waren negativ) und durften wieder nach Anjar zurückfahren. Gott sei Dank!”

 


Gemeinsam mit “Brot für die Welt” und “Kirchen helfen Kirchen” konnten wir im letzten Jahr ein Projekt zur Renovierung von Tischen und Stühlen in der armenisch-evangelischen Schule in Anjar anstoßen, welches nun beendet wurde. Den Prozess der Renovierung und das bunte Ergebnis können Sie in der Galerie auf unsere Homepage sehen. Der Schuldirektor aus Anjar Hagob Akbasharian schrieb uns zur Ausführung des Projektes folgendes:

“Durch diese Aktion konnten insgesamt 200 Stühle repariert werden. Davon waren es 108 einzelne Tische und 92 Tische mit Sitzgelegenheit. 4 Kleinbetriebe und 9 Handwerker aus unserer Gegend profitierten von dieser Arbeit. Das Schöne aber ist, dass 200 Schüler gelernt haben, was Nachhaltigkeit bedeuten kann, nämlich: Anstatt Tische und Stühle wegzuschmeißen, können diese renoviert werden und dadurch weiterhin benutzt werden. Für mich ist das Projekt ein voller Erfolg. Vielen Dank!”  

 

 

Die Kinder-Ferienbibelschule konnte in Beirut im Sommer 2020 nicht wie geplant stattfinden. Der Pfarrer der armenisch-evangelischen Nor Marash Gemeinde in Beirut, Raffi Messerlian, schrieb uns dazu folgendes:

“Seit März 2020 waren wir im Libanon dazu aufgefordert alle unsere wöchentlichen Kirchenaktivitäten inklusive Sonntagsschule, Frauen- und Jugendgruppen vorerst einzustellen. Die Teilnahme am Gottesdienst war nur noch online möglich. So war es uns auch nicht möglich unsere fünfwöchige Kinder-Ferienbibelschule durchzuführen.”

Kurzerhand wurde die Kinder-Ferienbibelschule auf Dezember verschoben. 

“Als Gemeinde wollten wir den Kindern an diesem Tag etwas besonderes bieten. Wir teilten sie in drei verschiedene Gruppen ein. Alle drei Gruppen hatten das selbe Programm. Nur die Anzahl der Teilnehmer war deutlich geringer. So konnten wir uns Corona-konform an die Abstandsregeln halten. Der Tag begann mit einem Gebet für die Kinder. Jugendpastor Jiro Ghazarian sang mit den Kindern Weihnachtslieder und seine Frau Houry Hajenlian-Ghazarian hatte eine Weihnachtsbotschaft für die Kids. Dann gab es noch Spiele und der Nikolaus verteilte Geschenke. Ich bin Gott dankbar, dass wir diese Möglichkeit hatten, um Kindern in unserer Gemeinde das Weihnachtsfest zu versüßen”, so Pfarrer Messerlian.

Aus der Not der Stunde ist diese Idee geboren: Für die kommenden Monate ist geplant weiter Tage mit einer geistlichen Botschaft sowie Spiel und Spaß für die Kinder durchzuführen. Als Ersatz für die im letzten Jahr nicht stattfindende Kinder-Ferienbibelschule. Längere Kinderfreizeiten können aufgrund von Covid-19 im Libanon gerade nicht stattfinden.

 

Anfang Dezember war Projektkoordinator Lukas Reineck für eine Woche im Libanon. Er besuchte nach der Detonation vom 4. August in Beiruts Hafen unsere Partner der armenisch-evangelischen Kirchen UNION in Beirut. Der Wiederaufbau und die Renovierungsarbeiten von Gemeinden und weiteren zur UNION gehörenden Gebäuden, wie Schulen, Bürogebäude und einem Altenheim konnten in den letzten Wochen gut abgeschlossen werden. In der zweiten Phase des Projektes wird sich der caritative Arm der UNION darum kümmern, dass die Menschen gut durch den Winter kommen – Lebensmittel und Medikamente werden gegenwärtig dringend benötigt.

Im Libanon kommt gerade viel zusammen. Anhaltende Korruption sowie eine Wirtschafts- und Bankenkrise lasten schwer auf den Schultern der Menschen. Die Corona Krise und schließlich die Detonation im August sind zu viel für das kleine Land am Mittelmeer. Der Libanon bräuchte eigentlich ein Wunder.

In den Begegnungen mit Menschen im Libanon ist Ratlosigkeit und Hoffnungslosigkeit zu spüren. 2020 ist noch nicht vergangen, aber ob 2021 für den Libanon ein besseres Jahr wird glauben momentan die Wenigsten vor Ort.

In zwei Beiträgen beim ERF und im Medienmagazin PRO können Sie ein Stimmungsbild zur gegenwärtigen Situation im Libanon bekommen.

Um zu den Beiträgen zu gelangen, bitte die Links unten anklicken:

ERF: Weihnachten nach der Explosion. Wie Christen in Beirut das Fest der Geburt Christi feiern.

PRO Medienmagazin: „Die Zahl der Christen im Libanon wird schrumpfen“

 


Am 4.August explodierten in Beiruts Hafen 2750 Tonnen Ammoniumnitrat. 200 Menschen kamen dabei ums Leben. 300.000 Menschen wurden obdachlos und unzählige Menschen verloren ihre Arbeit. Die letzten Wochen waren für unsere Partner der armenisch-evangelischen Kirchen-UNION sehr schwierig. Sie hatten kaum Zeit zu trauern. Der Wiederaufbau beschädigter Kirchen, Schulen und Kindergärten musste so schnell wie möglich organisiert werden.

“Es war eine verheerende Explosion und es ist nicht übertrieben zu sagen: Seit diesem Tag sind wir nicht mehr die Selben. Von Grund auf haben sich Dinge für uns verändert.”, so Pfarrer Raffi Messerlian aus Beirut.

Umso ermutigender war es für unsere Partner aus Beirut zu sehen, dass die weltweite Hilfsbereitschaft groß ist und besonders aus Deutschland starke Unterstützung kam. Kirchen und Institutionen konnten wieder aufgebaut werden. Was für ein ermutigendes Zeichen!

“Wir beten das der Frieden im Libanon bleibt. Dass wir jetzt im Land sind, ist kein Zufall. Gerade jetzt in dieser Zeit wollen wir den Menschen helfen. Liebe Geschwister beim christlichen Hilfsbund, danke für Eure Fürsorge und danke für Eure Liebe. Gott segne Euch reichlich.” berichtet Jiro Ghazarian, Jugendpastor der armenisch-evangelischen Kirchen-UNION in Beirut.

Diesen Dank wollen wir gerne weitergeben an alle, die mit ihren Spenden und Gebeten geholfen haben, unsere Glaubensgeschwister im Libanon zu unterstützen.

Auf unserer Homepage sehen Sie die ganze Videobotschaft unserer Partner aus Beirut – mit deutschem Untertitel.

Die UNION der Armenisch-Evangelischen Kirchen im Nahen Osten hat ein Kommunique zum Krieg in Bergkarabach veröffentlicht, in dem sie ihre Partner und Christen in aller Welt dazu aufruft, mit ihr zu beten und sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Als Christlicher Hilfsbund im Orient e.V. teilen wir dieses Anliegen ausdrücklich und versichern unseren Partnern, mit unserem Gebet und unserem aktiven Einsatz weiter an ihrer Seite zu stehen.

Auf unserer Homepage finden Sie auch weiter Informationen über unser Engagement in der aktuellen Konflikt-Situation in Bergkarabach.

Aufruf zum Gebet!

Spendenprojekt: Flüchtlinge aus Berg-Karabach in Armenien

Statement zur Situation in Berg Karabach

Das Kommunique können Sie auch über unsere Homepage einsehen und herunterladen. Dazu: HIER KLICKEN!

Gelinde gesagt waren die letzten Wochen für unsere Partner der armenisch-evangelischen Kirchen UNION in Beirut eine Herausforderung. Eine Katastrophe solchen Ausmaßes ist für den Libanon eine Zerreißprobe. Und dies verlangt unseren Partnern sehr viel ab.

Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit der Kirchenleitung in Beirut, insbesondere mit Dr. Paul Haidostian. Er ist Präsident der Haigazian Universität zu Beirut sowie Vorsitzender des Zentralkomitees der armenisch-evangelischen Kirchen-UNION des gesamten Nahen Ostens. Die Koordination zum Wiederaufbaues der zur UNION gehörenden Gebäude läuft über ihn.

Alle beschädigten Kirchen und Schulgebäude der Kirchen UNION werden momentan renoviert. Auch die Verwaltungsbüros der UNION sind durch die Detonation am 4.August schwer beschädigt worden. Es mussten zwei alte Wände eingerissen werden, die nicht mehr tragfähig waren.

“Eines unserer Ziele ist es die Schulen soweit fertig renoviert zu haben, dass sobald der hybride Unterricht los geht, wir in der Lage sind wieder Schüler in den Klassenzimmern zu unterrichten. Vermutlich werden die Renovierungsarbeiten im Viertel Aschrafiyya am längsten dauern. Bis wir aber auch die schöne Glasmalerei in unserer Gemeinde in Beiruts Viertel in Hamra ersetzt haben, wird es mindestens 6 Monate dauern.” , schrieb uns in den letzten Tagen Dr. Paul Haidostian

Bereits jetzt ist die humanitäre Not groß. Die wirtschaftliche Lage des Libanon desaströs. Lebensmittel sind knapp. Und die Wintermonate rücken in immer greifbarere Nähe. Viele Hilfegesuche von notleidenden Menschen erreichen Dr. Paul Haidostian.

“In den letzten Wochen hat das Sozial Komitee unserer Kirche sehr viele Anfrage von Menschen bekommen, die durch die Detonation in Not geraten sind, entweder wurde die Wohnung verwüstet oder sie haben ihren Arbeitsplatz verloren. Hinzu kommt, dass viele Gemeinden jetzt weniger Geld haben. Die sonntägliche Kollekte entfällt oder andere Abgaben wie der 10.Teil eines Einkommens…Jeden Tag hören wir von Familien, die eigentlich dem Mittelstand angehören, aber nun durch diese Katastrophe in eine prekäre wirtschaftliche Situation gerutscht sind – ja eigentlich vor dem wirtschaftlichen Aus stehen. Es bricht uns das Herz.”, berichtet uns Dr. Paul Haidostian in einer seiner letzten Mails.

Die sozialen Nöte werden in den nächsten Wochen und Monaten im Libanon weiterhin Thema sein. Wir wollen unseren Partnern der armenisch-evangelischen Kirche zur Seite stehen und ihnen auch in Zukunft bei Sozialen Nöten unter die Arme greifen.

Für weitere Spenden mit dem Verwendungszweck “Libanon” sind wir dankbar.

In der Bildergalerie sehen Sie die zur UNION gehörenden Gebäude und was dort gerade renoviert wird.